06.2008 RÖMERTOPF® - eine Marke „Made in Germany“ - Digest im Gespräch mit Michel Rouland, RÖMERTOPF® Keramik GmbHVor dem Hintergrund einer Renaissance der Herkunftsbezeichnung und des Qualitätsprädikates „Made in Germany“ sprach DIGEST mit Michel Rouland, Vertriebsleiter und Prokurist der Römertopf® Keramik GmbH aus Ransbach-Baumbach. Die Marke RÖMERTOPF® ist der Initiative „Ja zu Deutschland“ beigetreten, die deutsche Hersteller in besonderer Weise unterstützt.
DIGEST: Herr Rouland, wir erleben Sie stets als Verfechter des Siegels „Made in Germany“… Michel Rouland: Ganz offen gesagt, mir kam als überzeugtem Europäer der Umgang mit dem Qualitätsprädikat „Made in Germany“ in den letzten Jahren allgemein und speziell in unserer Branche etwas zu kurz. Dabei steht der Begriff “Made in Germany“ nicht nur für eine Herkunftsbezeichnung, sondern beinhaltet vor dem Hintergrund, dass Deutschland im Vergleich zu anderen Nationen immer noch über einen ausgeprägten Industriesektor verfügt, ein identitätsschaffendes Element. Ich gestehe gerne zu, dass „Made in Germany“ für mich durchaus auch eine emotionale Komponente enthält. Oder anders ausgedrückt ist „Made in Germany“ ein Wert an sich. Die Renaissance des Herkunftssiegels „Made in Germany“ spiegelt den Trend zur Besinnung auf Werte und Werthaltigkeit wider. Gerade im Heimatland der Discounter wurde „Made in Germany“ viel zu lange mit „einfach teuer“ gleichgesetzt, ja schon fast abgetan, was der Vielschichtigkeit des Begriffes bei weitem nicht gerecht wird. DIGEST: Können Sie uns Beispiele für diese Feststellung nennen? Rouland: Sehr gerne. Unsere Facheinzelhändler berichten uns in letzter Zeit auffallend oft, dass Endverbraucher sich gezielt nach der Herkunft der angebotenen Waren erkundigen. Dies war noch vor ein paar Jahren undenkbar. Hier zeichnet sich ein echtes, gesellschaftliches Phänomen ab. Und ja, spätestens bei unseren Verhandlungen mit unseren Handelspartnern von Russland bis Australien stellen wir fest, welche Zugkraft die Bezeichnung „Made in Germany“ immer noch besitzt und wie wichtig unsere garantierte Warenherkunft „Made in Germany“ ist. Unsere Exportkunden sehen in einer globalisierten, von Billigwaren, No-Name-Artikeln und Produktkopien aus Fernost überschwemmten Welt „Made in Germany“ als Verkaufsargument und Gütesiegel zugleich. DIGEST: Wie schätzen Sie den Haushaltsmarkt denn ein? Rouland: Durch die unter anderem von den Discountern in Gang gesetzte Preisspirale hatte „Made in Germany“ in den letzten Jahren gerade in unserer Branche im Preiskampf mit den extrem billigen Anbietern aus Fernost eindeutig das Nachsehen. Gleichzeitig beobachten wir, dass der Markt für Non-Food-Artikel bzw. Haushaltsartikel und speziell aus unserer Sicht für Bräter und Kochtöpfe Sättigungserscheinungen aufzeigt. Manche Marktsegmente sind durch die ständigen Aktionen der Discounter und Großverkaufsflächen leergefegt bzw. ausgetrocknet. Eine Überversorgung ist da unübersehbar. Märkte ändern sich ständig und im Augenblick ist Artikelmasse im Non-Food-Bereich zu niedrigen Fernost Preisen ohne echten Markenauftritt oder Designanspruch als Verkaufsargument nicht mehr ausreichend. Aus diesem Grund stellen Restanten inzwischen ein doch gewaltiges Problem dar. DIGEST: Welche Konsequenzen folgern Sie aus diesen Beobachtungen? Rouland: Zum einen entdeckt der Endverbraucher wieder den Reiz der Marke, die Orientierung und Wertschöpfung vermittelt, und zum anderem wieder den Standort Deutschland, der Qualität, Produktsicherheit, Verlässlichkeit und eben Werthaltigkeit und Nachhaltigkeit in einem gesichtslosen Massenmarkt garantiert. Angesichts übersättigter Märkte bedingen sogenannte weiche Faktoren wie die Symbiose von Ökonomie und Ökologie, soziale Kompetenz, Wertschätzung regionaler Produkte und Produktion abseits der reinen Preisfrage zunehmend die Kaufentscheidung.
DIGEST: An der Tatsache aber, dass China heute als die Weltfabrik gilt, werden wir aber so schnell nichts ändern können. Rouland: Sicher nicht. Uns geht es vielmehr darum zu unterstreichen, dass eine wirtschaftliche Entwicklung immer auch Interaktion zwischen Hersteller und Kunde bedeutet. Der Hersteller ist hier in der Pflicht seinem Endkunden zu erklären, was das Produkt, das der Verbraucher in den Händen hält, wert ist. Nur so kann er ihn vom Kauf überzeugen. All zu oft wird suggeriert, dass „Made in Germany“ zu teuer ist. Das ist eine Fehleinschätzung. „Made in Germany“ bedeutet nicht nur, dass die in Deutschland hergestellten Produkte von besonderer Qualität sind. Es bedeutet auch, dass Arbeitsplätze in der produzierenden Industrie in unserem Land gehalten werden. Unsere Produktion hier im Westerwald stellt Produkte unter strengen Qualitätskontrollen her, nutzt regionale Ressourcen und schützt dadurch die Umwelt, denn für unsere Produkte müssen keine Rohstoffe rund um den Globus reisen. Wir produzieren hier vor Ort in Deutschland, wo sich auch unser Hauptabsatzmarkt befindet. So tragen wir dazu bei, CO2Emissionen zu vermeiden und im erheblichen Maße Ressourcen bzw. Energie zu sparen. Anderswo werden keinerlei Umweltschutzmaßnahmen ergriffen, um die Kosten niedrig zu halten. Es wird in Kauf genommen, dass die Umwelt und das Klima in Mitleidenschaft gezogen werden. Zukünftige negative Konsequenzen für das gesamte Weltklima, die dadurch entstehen, werden komplett außer Acht gelassen. Uns dagegen kommt es auf eine umweltverträgliche Produktion an und einen daraus resultierenden sozial und ökologisch fairen und wahren Preis.
DIGEST: „Made in Germany“ ist also mehr als nur eine Standortfrage? Rouland: In der Tat. Kurz gesagt hat „Made in Germany“ außer der geographischen Bedeutung auch eine soziale Dimension. Der über den Verkaufspreis finanzierte Fertigungspreis schließt einen umweltver-trägliche Dimension mit ein und darüber hinaus eine moralische und sozialverantwortungsbewusste. Denn ein fairer Preis von Produkten „Made in Germany“ liefert die Grundlage für universelle Eckwerte wie Gerechtigkeit, Chancengleichheit und Teilhabe an den Früchten der wirtschaftlichen Prozesse. DIGEST: Welches Fazit ziehen Sie daraus? Rouland: „Made in Germany“, das sind Chancen und Risiken gleichermaßen. Wenn es uns weiterhin gelingt, als ein aus tiefer Überzeugung in Deutschland produzierender Hersteller von Haushaltsprodukten, die Standardfaktoren gewinnbringend wirklich auszuschöpfen und Kompetenz, Markenkraft, Werthaltigkeit und Innovationskraft im Sinne von Nachhaltigkeit zu definieren, und permanent im Gespräch mit unseren Handelspartnern unsere Produkte den ständigen neuen Trends anzupassen, dann hat eine Fertigung in Deutschland ihre Berechtigung und Chance, solange überwiegen eben eindeutig die Vorteile für Produkte „Made in Germany“. Quelle: Artikel in der Fachzeitschrift Digest - Juni 2008 www.digest-online.de |
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